Weight Watchers – Funktionsweise, Zero Points und das neue WW

Mittlerweile ist Weight Watchers für einige schon fast ein anderer Name für „Diät“ – so, wie bei „Tempo“ jeder an Taschentücher denkt. Der Grund ist die lange Erfolgsgeschichte des 1963 gegründeten Diät-Unternehmens. In den USA entwickelt, revolutionierte das Diät Programm rasche Europa, da es eine andere, selbstbestimmtere Herangehensweise an die Gewichtsreduktion darstellte. Nicht mehr reines Kalorienzählen, keine strengen Mahlzeitenpläne, keine Zwangsbewegung: Du bestimmst selbst, wann und was Du isst – aber Du musst im Rahmen der von Weight Watchers ermittelten Punktzahl bleiben.

Wie funktioniert Weight Watchers?

Angefangen hat es damit, dass sämtliche Lebensmittel nicht mehr nach ihrem Nährwert- oder Fettgehalt eingestuft wurden, sondern nach einem immer noch sehr geheimen Algorhythmus aus Energiedichte, Zuckergehalt und weiteren Nährstoffen. Ein kurzes Beispiel aus dem aktuellen System: Ein Apfel hat 0 Punkte, ein Croissant 18. Wer nun pro Tag, berechnet aus Alter, Gewicht und Abnahmeziel eine Punkteanzahl von 23 zur Verfügung hat, muss selbst entscheiden, ob er ein Croissant essen und damit fast sein ganzes Tagesbudget aufbrauchen möchte. Als Faustregel gilt: Je ungesünder, desto mehr Punkte. So bringt Weight Watchers Dir ganz automatisch bei, gesunde Lebensmittel in Deinen Alltag zu integrieren. Mit Aktivitäten kannst Du Dir extra Punkte verdienen, die Du dann im Laufe einer Woche wieder für ein tolles Essen ausgeben kannst, wenn Du möchtest.

Entscheidung zwischen Süßigkeiten und ObstAls Weight Watchers gegründet wurde, waren Apps, Computer und Internet noch nicht in Reichweite. Die Weight Watchers- Mitglieder trafen sich wöchentlich, lernten bei den Coaches einiges über gesunde Ernährung und konnten sich mit der Gruppe austauschen. Jede Woche wurde jeder Teilnehmer dort gewogen. Für erreichte Abnehmziele gab es Belohnungen, wer sein Gesamtziel einmal mit Weight Watchers erreichte, darf die Treffen ein Leben lang kostenfrei besuchen.

Das gibt es auch noch heute, wobei die Treffen mittlerweile weniger besucht werden – dafür wächst die Online-Community. Weight Watchers hat ein Online-Programm mit Website und App, welches man einzeln oder zusätzlich zu den Treffen nutzen kann. Ende der 1990er Jahre waren die Weight Watchers-Punktelisten noch ein gut gehütetes Geheimnis, mit den Zeiten des Internets ist diese Exklusivität nicht mehr möglich. Trotzdem kann das Programm auch weiterhin nur von registrierten Nutzern durchgeführt werden – die wichtigen Tipps und Informationen zum Programm gibt es erst nach dem Log-In. Vor den Smartphones hat Weight Watchers noch Geräte verkauft, mit denen Du den Punktewert eines Lebensmittels selbst ermittlen konntest – heute sind alle gängigen Produkte im System gespeichert und können zum Beispiel über den Barcode erfasst werden.

Eine Weile experimentierte Weight Watchers mit einem sogenannten Sattmacher-Programm: Für 4 Punkte konnten zum Beispiel pro Tag so viele Kartoffeln, Naturreis oder Vollkornnudeln gegessen werden, wie man wollte. Diese Variante hat aber zu keinem großen Abnehmerfolg geführt und Weight Watchers musste sich das positive Image zurückerobern.

Die Weight Watchers Zero Points

Kurz nach der Sattmacher-Pleite kamen die Zero Points Lebensmittel in das Programm. Das sind Lebensmittel, von denen jeder am Tag so viel essen darf, wie er möchte, sie belasten das Punktekonto nicht. Dabei gehört nicht nur Obst und Gemüse zu den Zero Points, auch beispielsweise Magermilchjoghurt oder fettreduzierter Hüttenkäse, verschiedene Fische und mageres Fleisch. Zum Imagewechsel gehört auch die Möglichkeit, nicht nur durch Bewegung Punkte zu verdienen, sondern auch täglich bis zu vier Punkte für den nächsten Tag aufzusparen. Hast Du also eine Tagespunktzahl von 25 zur Verfügung und sparst am Montag 4 Punkte ein, kannst Du am Dienstag 29 Punkte essen – mit einer halben Stunde extra Spazierengehen kommst Du dann auf 5-6 zusätzliche Punkte insgesamt. Außerdem stehen Dir pro Woche 30 Freipunkte zur Verfügung, was etwas an die Cheat-Day-Variante mancher anderer Diäten erinnert. Wenn Du also möchtest, kannst Du an einem Tag für 55 Punkte essen, musst Dich dann aber den Rest der Woche an Dein Budget von 25 halten oder viel zusätzlichen Sport machen.

Weight Watchers Rezepte

Positiv an den Weight Watchers fällt auf, dass sie wirklich gute Hintergrundinformationen und sorgfältige Recherche in ihren Online-Artikeln und Erläuterungen verwenden. Auch die Rezepte sind optimal eingeteilt. Einige Produkte von Weight Watchers finden sich auch in gut sortierten Supermarktregalen wieder: Dort steht außen auf der Weight Watchers-Lasagne, wieviele Punkte sich darin verstecken, was das Kochen sehr erleichtert. So kommen auch Menschen mit wenig Zeit nicht in die Versuchung, eine schlechte FastFood-Alternative zu nutzen: Die Fertiggerichte von Weight Watchers sind zwar kein kulinarisches Highlight, aber durchaus schmackhaft. Online, bei den Treffen und in den Communities werden Rezepte geteilt, die nach Punkten eingeteilt werden. Es gibt Mahlzeiten-Ideen für ein 1-Punkte-Abendessen oder ein Zero-Points-Frühstück – je nach Bedarf findest Du eine bunte Auswahl an Rezepten. Die Zubereitungsart ist weder komplizierter noch einfacher als bei anderen Rezepten, die meisten gehen sehr schnell. Häufig sind auch Beispiele angegeben, wie man ein Weight Watchers-Rezept variieren kann, damit es der ganzen Familie schmeckt und der diäthaltenden Teil der Familie sich nicht als Spaßbremse fühlt.

Weight Watchers Kochbücher, Magazine und mehr

Weight Watchers hat 2019 einen Neustart hingelegt. Erstmals war der Konzern mit seinem Programm, den Kochbüchern und dem neuen WW-Magazin zu Food, Fitness, Coaching und Lifestyle auch auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Mittlerweile gibt es ein breites Portfolio an Rezeptbüchern mit verschiedenen Schwerpunkten: Für das Kochen mit Kleinkindern, für Berufstätige oder für den angesagten Meal-Prep-Trend. Im Magazin gibt es wertvolle Tipps, wie sich der Weight Watchers-Lifestyle im Alltag umsetzen lässt, zum Beispiel, wenn ein Essen im Restaurant bevorsteht oder Du einmal wieder Freunde einladen willst, aber Deine Diät nicht pausieren lassen möchtest.

Die Weight Watchers App

Die App ist nach einigen Startschwierigkeiten jetzt gut im Alltag zu nutzen – das Essenstagebuch ist unkompliziert und übersichtlich, auch der Zugang zu den verschiedenen Chatforen funktioniert gut. Weight Watchers kannst Du ganz für Dich alleine durchführen – aber in der Gemeinschaft mit anderen macht es sehr viel mehr Freude und erhöht meistens die Aussichten auf den Erfolg. Auf der Website hast Du außerdem Zugang zum Artikelarchiv und kannst gezielt nach Themen suchen, die DIch gerade besonders beschäftigen. Im Online-Shop findest Du neben den Weight Watchers-Lebensmitteln auch einige Alltagshelfer wie zum Beispiel eine Dauerbrat-Folie, mit der Du fettfrei ein Rührei oder andere Pfannengerichte zubereiten kannst. Auch permanentes Backpapier oder Schrittezähler gibt es, falls Du nicht den in die App integrierten Zähler verwenden willst oder Weight Watchers mit Deinem Fitness-Programm zusammenführen willst.

Blau, Grün, Lila: Das NEUE Weight Watchers heißt jetzt WW

Seit Dezember 2019 hat sich auch das Zero Points Programm gewandelt. Unterteilt wird jetzt in drei Programme, die mit Lila, Blau und Grün benannt werden. Welches Du wählst, ist Dir überlassen, mit einem Fragebogen ermittelt Weight Watchers aber eine Empfehlung, was am Besten zu Dir passt. Bei einem Programm hast Du ein Budget von nur 16 Punkten am Tag, dafür ist in Deiner Zero-Points-Liste aber zum Beispiel auch geräucherter Fisch erlaubt. Ein anderes Programm gibt Dir ein Tagesbudget von 30 Punkten, hat aber ausschließlich Obst und Gemüse für Zero Points.

Weight Watchers, MeinWW, WW – kann man damit auch abnehmen?

Der Name hat sich zwar etwas gewandelt, aber das Prinzip ist dasselbe geblieben. Weight Watchers ist ein Erfolg, wenn die innere Motivation stimmt. Die meisten Erfahrungen berichten, dass eine Kombination der lokalen Treffen und der App-Nutzung den meisten Erfolg hat.Abnehmen mit Weight Watchers

Weight Watchers ist nicht dazu da, sich radikal runterzuhungern. Es ist eine Diät, die den eigenen Antrieb zu gesunder Ernährung fördert und den gefürchteten Jojo-Effekt ausbremsen kann. Besonders gut ist es, dass man immer wieder einsteigen kann – manchmal kneift die Jeans ja nach Weihnachten plötzlich wieder und dann kannst Du mit einem Monat Weight Watchers schnell wieder an Deine Erfolge anknüpfen. Die intrinsiche Motivation musst Du allerdings selbst mitbringen. Menschen, die eher mit strikten Regeln besser zurechtkommen, werden das selbstbestimmte Abnehmen bei den Weight Watchers vielleicht etwas schwierig finden. Wenn Du aber nicht nur abnehmen möchtest, sondern langfristig Deine Gesundheit verbessern willst, ist Weight Watchers eine prima Wahl, weil es individuell und doch gemeinschaftlich ausgelegt ist.

Die Preise variieren je nach Angebot im Internet, aber durchschnittlich kostet eine monatliche Nutzung des Online-Programms zwischen 14,95 und 29,95 Euro. Du kannst auch zwei Wochen testen und dann kündigen – häufig bleibst Du aber nach der Probezeit dabei.

Titelbild: stockasso / depositphotos.com
Bilder im Text: subbotina, belchonock / depositphotos.com